Freitag, 3. Juli 2015

[Rezension] Als wir Charleston tanzten - Isabella Benz

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Frei durch die Berliner Nachtclubs tanzen – für Mary Lindbergh gibt es nichts Schöneres. Die Musik lässt sie die Geldprobleme vergessen und auch die Sorge um ihre alternden Eltern. In einem Tanzlokal auf dem Kurfürstendamm lernt sie 1927 Richard Dinten kennen, einen ehemaligen Offizier. Mit einem einzigen Charleston entfacht er in Mary ein bisher unbekanntes Feuer. Doch dann wird Marys Mutter schwer krank. Um sich ihre Krankenpflege leisten zu können, heiratet Mary den reichen Automobilverkäufer Friedrich Wirth. Aber sie kann Richard und den leidenschaftlichen Tanz nicht vergessen. Bei einer Veranstaltung im Adlon trifft sie Richard wieder, der inzwischen als Eintänzer in Berlins berühmtem Hotel arbeitet. Gegen jede Vernunft verlangt Mary, mit ihm zu tanzen. Der Tanz bleibt nicht ohne Folgen, denn schon bald muss Mary feststellen, dass nicht nur der Charleston, sondern auch Richard eine gefährliche Versuchung darstellt …
(Quelle: Forever)


Das Cover ist wirklich schön. Ich mag sehr, dass es an den Stil der 20er Jahre angepasst wurden ist. Das Pärchen ist typisch goldene Zwanziger und die SchwarzWeiß Farben lassen die vergangene Zeit gut noch einmal wieder aufleben.
Auch der Titel passt wunderbar in diese Epoche und drückt den wichtigen Inhalt dieses Romans aus: das Tanzen und damit natürlich auch einen der typischen 20er Jahre Tänze, den Charleston.


Ich bin nicht der größte Fan von historischen Romanen. Außer der britischen Geschichte gibt es nur eine weitere Zeitepoche, die mich anspricht: die 20er bis 50er Jahre. Für mich war also klar, dass ich in dieses Buch der 20er reinschauen musste. Auch finde ich es sehr schön, dass sich der deutschen 20er angenommen wurden ist, denn diese wird im Vergleich zum Amerika der 20er oft vergessen. Dabei ist das Berlin dieser Zeit doch so facettenreich, faszinierend und berauschend.

Die Handlung des Buches ist recht ruhig und stetig gehalten und mein Blut kam nur zum Wallen, wenn getanzt wurde, denn dann steht man als Leser selbst auf der Tanzfläche. Das mochte ich ganz gerne. Zwischendurch gibt es immer mal ein paar kleine Schreckmomente oder ernstere Szenen. Das Besondere an diesem Roman war für mich aber das echte und unverbrauchte Empfinden dieser Zeitepoche und besonders die kleinen Details, beispielsweise vom Adlon oder dem alltäglichen Leben, habe ich wie ein Schwamm in mich aufgesaugt.
Leider werden jedoch teilweise größere, manchmal kleinere Zeitsprünge gemacht und diese Unregelmäßigkeit hat mich leider immer mal aus der Geschichte rauskatapuliert, besonders wenn ich zwischen den Kapiteln eine Lesepause gemacht habe.
Der Einblick in diese Zeit ist jedoch gelungen, besonders das Leben der etwas wohlbetuchteren Leute (mit all ihren Problemen) wird gut beleuchtet und ich wurde von diesem alten Charme beim Lesen umgeben.

Isabella Benz hat eine ganz bezaubernde Art zu schreiben und fängt die 20er Jahre sehr gut ein. Ich konnte mir alles sehr bildlich vorstellen und doch waren die Szenen nie überladen. Auch wenn ich mich mit dem Berliner Dialekt etwas schwer getan habe, so passt er doch sehr gut in den Roman und gibt ihm einen ganz eigenen Charme. (Ich komme einfach aus einer anderen Ecke Deutschlands und man kann ja nicht mit allen Dialekten Freundschaft schließen.)

Am Anfang des Romans fand ich Mary wirklich toll, besonders im Zusammensein mit ihrer Mutter und ihrer Freundin habe ich sie als herzensgute, liebe und nicht auf den Mund gefallene junge Frau kennengelernt. Ihre Sprunghaftigkeit, sowie Selbstsabotage (bezüglich ihres eigenen Glücks) haben mir mit der Zeit jedoch auf die Leber geschlagen.
Auch wurde ich nie so richtig warm mit Richard. Er blieb für mich lange einfach nur der Tänzer. Man bekommt einfach zu wenig von ihm zu sehen - mal abgesehen von seinem
Verlangen nach Mary.

"Als wir Charleston tanzten" ist wirklich ein reiner Liebesroman (halt in der Vergangenheit) und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Liebesleben der Protagonistin. Natürlich gibt es  aber auch andere Themen wie z.B. das Tanzen oder die Familie, diese sind jedoch nur Nebengeschichten. So ein Liebesroman steht und fällt mit den Liebenden und die haben mir leider nicht immer zugesagt.
Marys Entscheidung waren für mich leider nicht immer nachvollziehbar, ihre Schwankungen bezüglich ihrer beiden Herren haben mich kirre gemacht und auch dieses ganzes Ehedrama war für mich unnötig in die Länge gezogen.
Natürlich weiß ich, dass die Liebe zu dieser Zeit noch eine ganz andere Stellung hatte als heutzutage und daher kann ich Marys Zerissenheit auch nachempfinden, aber irgendwann reicht es auch mal und ich hätte dem Mädel gerne mal ein bisschen den Kopf gerade gerückt.
Auch das Richard sich so lange hat hinhalten lassen fand ich weniger erfrischend. Sicher hat er auch auf sein Happy End gehofft, aber irgendwann kann ein Mensch doch auch nicht mehr.

Das Ende an sich war rund, aber auch hier bin ich etwas zwiegespalten. Das Ende fand ich wirklich gut, aber der Weg dahin war ein bisschen zäh und besonders die letzte Szene davor fand ich ein bisschen zu dramatisch.




Schon lange hat mich ein Buch mich nicht mehr so verwirrt und zwiegespalten zurückgelassen. Frau Benz Schreibstil konnte mich einfach gefangen nehmen und ich habe mich jedes Mal vor dem Lesen darauf gefreut mich in ihre Welt zu stürzen.
Mein Wermutstropfen beim Lesen waren jedoch die Tatsache, dass mir Mary immer unlieber wurde, ich mich mit Richard nicht ganz anfreunden konnte und mich generell die Liebesgeschichte mehr aufgeregt als angeregt hat.
Ich bin dennoch sehr gespannt auf weitere Werke, denn man kann als Mensch ja auch nicht alle Liebesgeschichten interessant und unterhaltsam finden. Vielleicht findet ja einer von Euch ein bisschen mehr Verständnis für Mary und Richard?

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