Freitag, 18. März 2016

[Rezension] Morgens in unserem Königreich - Gernot Gricksch




Dass ausgerechnet er bei den Zeugen Jehovas landet, muss ein besonderer Scherz Gottes sein, denkt Arne. Denn er ist ein lebenslustiger Windhund voller schräger Ideen, der so gar nicht zu den angepassten Gläubigen passt. Deswegen will Arne auch gar nicht lange bleiben. Doch dann lernt er Johanna kennen.
Johannas und Arnes Liebe, die gegen alle Regeln verstößt, bringt die kleine Gemeinde ganz schön durcheinander – was nicht von jedem gerne gesehen wird. Und so ist es nur eine Frage der Zeit,

bis die beiden nicht nur ein paar mittelschwere Hürden umtanzen müssen, sondern am Ende vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens stehen, bei der es buchstäblich um Leben und Tod geht.
(Quelle: Feelings)

Da ich selbst Zeugen Jehovas in meiner Familie habe/hatte, hat mich dieser Roman natürlich sehr gereizt. Zeugen Jehovas kommen nicht oft in Büchern vor und wenn doch, dann entweder total abwertend oder so, dass neue Mitglieder gewonnen werden wollen. Ich wollte aber mal einen echten Roman haben, mit echten Menschen und echten Gefühlen. Zeugen Jehovas lassen sich nicht einfach so schwarz oder weiß malen, sie sind viel mehr. Ich habe meinen Uropa über alles geliebt. Leider starb er als ich acht war und mit ihm die einzig religiöse Person in meinem näheren Umfeld. Was nie starb, war meine aufrichtige Neugier für fremde Religionen und anderer Menschen Glaubensrichtungen.
Mein Uropa hat mir gezeigt, dass bei den Zeugen Jehovas nicht alles schlecht ist, dass sie echte Menschen sind und herzensgut sein können.
(Dazu möchte gesagt sein, dass mein Opa erst recht spät konvertiert ist und für mich, seine geliebte Urenkelin, nicht alles so eng gesehen hat. Weihnachten kam er zumindest einmal zum Kaffeetrinken vorbei.)

In "Morgens in unserem Königreich" lernen wir die verschiedensten Zeugen Jehovas kennen - die Regeltreuen, die Familienmenschen, die Liebenswürdigen und die, die so ein bisschen mit sich und ihrem Weg hapern.  
Protagonistin Johanna lernt immer mehr vom "realen Leben" kennen und fängt an zu hinterfragen, was sie eigentlich nicht darf bzw. soll. Grund deswegen ist Arne, ein herzensguter und lustiger Typ, der aber eben auch naiv und leichtgläubig ist. Mit seiner warmen Art bringt er Johannas geordnetes Leben aus den Bahnen und das einiger Zeugen gleich mit.  

Gernot Gricksch schreibt über das Leben wie es ist: tiefgründig, verwirrend und mit mehreren Abzweigungen. Dennoch vergisst er nie seinen Humor und auch wenn ernste Themen wie das Ablehnen von Blutkonserven angesprochen werden, so zaubert er einem im nächsten Absatz schon wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Arne und Johanna sind wie Nacht und Tag. Er ist lebenslustig und lebt in den Tag, Johanna ist ernst und es fällt ihr schwer aus sich herauszukommen. Zusammen erleben die beiden ihre eigenen kleinen Abenteuer. Er lernt, dass die Zeugen Jehovas nicht nur schlecht sind und viel menschlicher als gedacht und Johanna erfährt, dass es so viel mehr gibt, als sie dachte.  

Das Ende ist ziemlich radikal, aber zeigt eben auch auf, dass das Leben manchmal anders spielt als gedacht und dass es so viel mehr gibt, als wir zu glauben wissen.


   

Ein Buch auf das ich sehr gespannt war. Vor dem Lesen hatte ich etwas Angst, dass das Thema Zeugen Jehovas zu negativ betrachtet werden könnte. Am Ende bekam ich so viel mehr - ein Roman über Menschen, echt und greifbar - und irgendwie sind wir uns alle doch ähnlicher als gedacht.

Für mich selbst war es ein Buch, das mir meinen Verstorben Urgroßvater wieder etwas näher gebracht hat - wenn auch nur für 272 Seiten.  

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