Montag, 7. März 2016

[Rezension] Wie das Licht von einem erloschenem Stern - Nicole Boyle Rodtnes




Seit Vega bei einer Feier gestürzt ist, leidet sie an Aphasie. Sie kann nicht sprechen, kaum lesen und mit noch größerer Mühe schreiben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan gibt ihr keinen Halt, denn sie kommen mit ihrer Krankheit nicht zurecht. Vega fühlt sich innerlich wie tot und zieht sich immer mehr zurück. Bis sie Theo trifft, der ebenfalls an Aphasie leidet und beide merken, dass sich zusammen leichter ein Weg in ein neues Leben finden lässt.
(Quelle: Beltz


Hin und wieder muss es einfach mal ein Buch mit einem sehr ernsten Thema sein. Über die Krankheit Aphasie habe ich vorher noch nichts gelesen, mir war sie ehrlich gesagt auch ziemlich unbekannt. Ich wusste, dass es sie gibt (auch wenn ich ihr keinen Namen geben konnte), aber Aphasie schafft es ja scheinbar nur selten in die Medien, Romane und dergleichen.
Ich finde es unbegreiflich schwer, mir vorstellen zu müssen, dass ich weiß, was ich sagen will, aber es kommt nur Kauderwelsch aus meinem Mund. Die Vorstellung, dass Gehirn und Mund nicht mehr zusammenarbeiten, finde ich unsäglich schlimm. Als wäre man ein bisschen in seinem Körper gefangen.
Dementsprechend gespannt war ich auf Vegas Geschichte. Ich hatte hohe Erwartungen, denn so schwere Themen wie diese können ganz schnell in den Sand gesetzt werden.

Gleich zu Anfang der Geschichte überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Zu Beginn eines jeden Kapitels erfährt der Leser ein Stück mehr zu dem Unfallhergang von Vega. In der Hauptgeschichte verfolgt man jedoch Vega mit ihren Versuchen wieder Sprechen zu lernen. Sie versucht ihr Leben zurückzubekommen. Es geht nur ganz langsam bergauf und dann überkommt sie auch noch das Gefühl, dass an ihrem Unfall was faul ist.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Vega erzählt. Vega kann kaum sprechen, aber dadurch das sie uns an ihren Gedanken teilhaben lässt, entsteht ein flüssiges Leseerlebnis der besonderen Art. Der Schreibstil mag zwar jugendlich sein, aber er verschönt auch nicht und ist recht ernst gehalten.

Als Protagonistin lernt man Vega sehr genau kennen. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die jedoch auch an ihre Grenzen stößt. Jedes Mal, wenn Vega über ihre eigene Zunge gestolpert ist, habe ich mit ihr gelitten. 
Ich hatte Mitgefühl mit der Mutter, die versucht mit der Situation ihrer Tochter umzugehen, indem sie Kontakte mit anderen Elternteilen knüpft. 
Vegas Schwester tat mir furchtbar leid, denn sie kann ganz schlecht mit der Krankheit umgehen, gibt ihr Bestes und fühlt sich wahrscheinlich genauso verloren wie Vega. 
Selbst für ihre beste Freundin und ihren Freund hatte ich Verständnis; ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich in ihrer Situation handeln würde.
Am Schwächsten empfand ich den neuen Jungen in Vegas Leben, Theo. Er leidet auch an Aphasie, aber dadurch, dass der Leser nicht in seine Gedankenwelt schielen kann, ist es schwerer eine emotionale Bindung zu ihm herzustellen. Aber ich empfand ihn viel mehr als Katalysator für Vega. Zum ersten Mal hofft und lebt sie wieder. Sie scheint ihrem Glück näher zu kommen.

Das Ende war für diese Geschichte war rund und passend. Es zwar zum Glück wenig offen und ich konnte Vegas Geschichte glücklich, aber auch ziemlich nachdenklich, zur Seite legen.




Was würde ich tun, wenn ich in diese Situation kommen würde? Was ist eigentlich wirklich wichtig im Leben?
Ein wahnsinnig berührendes Buch, dass zum Nachdenken anregt. Das Thema ist sicher keine leichte Kost, aber es hilft ungemein dabei, dass man sich mit dem Thema Aphasie auseinandersetzt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo.
Ich freue mich immer wie Bolle wenn ich Kommentare bekomme, also gebt euch 'nen Ruck und kommentiert.
Alles Liebe, Sophie