Donnerstag, 1. Juni 2017

[Rezension] Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen - Abbi Waxman




Wer hat schon Lust, einen Gemüsegarten umzugraben? Lilian jedenfalls nicht. Sie hat mit ihrem Job, den beiden kleinen Töchtern und dem Kummer um ihren verstorbenen Mann genug zu tun. Danach fragt ihre Chefin jedoch nicht und meldet sie beim Gärtnerkurs eines wichtigen Kunden an. Der ist gar nicht mal so unsympathisch. Und Lilian ist verblüfft, was sie da auf dem Acker alles ausgräbt: Würmer, Lebensfreude, Baumwurzeln, Plastikfeen, Unkraut, Freunde, Radieschen, einen ziemlich großartigen Mann, und den Mut, sich neu zu verlieben …
(Rowohlt





Ich und Gartenarbeit. Haha. Einen größeren Scherz hat das Universum wohl schon lange nicht mehr gehört. Das Buch wurde mir auf der LBM jedoch so schmackhaft vom Verlag gemacht, dass ich dieses anscheinend humorvolle Buch einfach mitnehmen musste. Und wer mag den kein frisches Obst und Gemüse und schöne Blumen? Gartenarbeit hin oder her...
Im Buch finde ich das Wühlen im Dreck irgendwie schon wieder ganz ansprechend.

Kurz gesagt geht es um eine junge Witwe, die hauptsächlich Schulbücher illustriert und nun jedoch ein Garten- und Pflanzenbuch gestalten soll. Dafür muss sie einen Gartenkurs absolvieren, der von der Familie organisiert wird, die das Buch in Auftrag gegeben hat. Dass der Gärtner ganz ansprechend aussieht, muss ich wohl nicht erwähnen, oder?

Der Inhalt klingt also nicht nur recht banal, er ist es auch. Es passiert nicht wirklich viel und Spannung kommt keine auf. Aber davon lebt das Buch auch nicht, denn es geht viel mehr um Emotionen und das Miteinander. "Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen" lädt mit einer Unaufgeregtheit zum Entspannen ein und zauber hin und wieder ein Lächeln auf die Lippen.


Abbi Waxman hat einen wahnsinnig tollen Schreibstil. Selbst die banalsten Dinge füllt sie mit Lachen und hilft der oftmals platten und uninspirierten Geschichte in die Gänge. Alltagsdinge, die in jedem anderen Roman nur ein Gähnen von mir bekommen würden, waren auf einmal spannend und fantasievoll.

Die Geschichte strotzt nur so vor starken und interessanten Charakteren. Jede der Haupt- und Nebencharakteren hat eine eigene Persönlichkeit und das Spielen mit Klischees gelingt Abbi Waxman auch hervorragend. Sie versucht wirklich viel um allen Personen Tiefe zu geben. Die Mutter, die in der Sozialbauwohnung lebt, ist offen und herzlich und versucht ihrem Kind eine bessere Zukunft zu geben. Der Surferboy hat doch was auf dem Kasten und die um einiges jüngere Ehefrau ist eben doch nicht nur auf das Geld aus. Aber knuffigsten sind aber wohl Lilians Kinder mit ihren kleine-Kinder-Macken und dem neunmalklugen Verhalten.

Die Liebegeschichte zwischen Lilian und Edward ist nur sehr sanft im Buch vorhanden und nicht so ausgeprägt wie anfangs gedacht. Ich bin unentschlossen, ob ich die Beiden gemeinsam wirklich mag, aber für Lilian ist diese kleine Romanze wichtig, um wieder richtig zurück ins Leben zu finden und mit ihrem Witwendasein Frieden zu schließen.

Dieses Buch wärmt das Herz und zeigt dem Leser, dass alles möglich ist, wenn man nur an sich glaubt. Abbi Waxman verbindet verschiedene Welten und macht deutlich, dass man eigentlich mit jedem befreundet sein kann und dass menschliche Unterstützung und Liebe essentiell zum Leben sind. 





Dieses Buch passt in den Frühling und zu dem schönen Wetter wie die Faust auf's Auge. Setzt euch raus in den Sonnenschein und hört die Bienen um euch rumsummen, während sie auch im Buch rumschwirren.
Das Buch ist super zum Zurücklehnen und durch den angenehmen Schreibstil, können auch die stellenweisen langatmigen Szenen verziehen werden. 
Im Endeffekt ist es kein Liebesroman, sondern ein Buch über Trauerbewältigung, das Finden zu einem Selbst und die Liebe zu Freunden und der Familie.

Kommentare:

Hallo.
Ich freue mich immer wie Bolle wenn ich Kommentare bekomme, also gebt euch 'nen Ruck und kommentiert.
Alles Liebe, Sophie