Dienstag, 7. November 2017

[Rezension] Matthew Weiner - Alles über Heather




Das erste Buch des Schöpfers von Mad Men: Ein kleiner Band. Ein großer Roman.

Mark und Karen Breakstone haben spät geheiratet. Bald kündigt sich Nachwuchs an, die Tochter wird auf den Namen Heather getauft, und die kleine, wie es scheint, recht perfekte Familie lebt ihr von materiellen Sorgen freies Leben in Manhattan. Doch das Dreieck Vater-Mutter-Kind ist labil. Heather, das von allen vergötterte Mamakind, verändert sich, als sie in die Pubertät kommt, sie wendet sich von der Mutter ab, die das nicht verkraftet. 

Parallel erzählt Matthew Weiner das Schicksal von Bobby Klasky, Kind einer drogensüchtigen Prostituierten, geboren in die Hölle hinein. Sein Lebensweg führt ihn nach einer Vergewaltigung ins Gefängnis, wo ihm der letzte Rest von Menschlichkeit abhanden kommt.

Als sich die beiden Geschichten kreuzen, kann es nur zur Katastrophe kommen. Und im Mittelpunkt steht, ohne es zu wissen, Heather. 
(Bild- und Textquelle: Rowohlt)





Eins vorne weg: das Buch ist anders, sehr anders. Das kann man mögen oder eben auch nicht. Das Buch wird polarisieren. Es gibt keine wirkliche Charakterentwicklung und wirkt mehr wie analytische Blick in zwei dysfunktionale Familien.
Ich kann den Reiz hinter der Geschichte nachvollziehen, aber am Ende des Tages hat es halt leider doch nicht meinen Geschmack getroffen.

Im Roman erzählt ein allwissender Erzähler die Lebensgeschichte von zwei Menschen. Er beschreibt wie Heather und Bobby geboren wurden und geht dann dazu über ihren Lebensweg mit Zeitsprüngen zu beschreiben bis sie irgendwann aufeinandertreffen.

Der Schreibstil ist sehr sachlich und ohne viele Emotionen. Das und dass es im gesamten Buch nur ein- oder zweimal direkte Rede gibt, machten mir eine emotionale Bindung an die Handlung und die Personen unmöglich.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Autor kein Talent hat. Die gesamte Geschichte analysiert die Figuren und ihre Handlungen so psychologisch, dass ich hin und wieder schlucken musste. Der Autor nimmt einfach kein Blatt vor den Mund.

Das Buch umfasst viele verschiedene Themen wie Gewalt, Helikoptereltern und das Integrieren in die Gesellschaft und Matthew Weiners Analysierung der beiden Familien reicht bis auf die Knochen und was dabei rauskommt ist alles andere als rosig.




Wer kein Problem damit hat, dass das Buch eher einer einem langem Bericht mit psychologischen Analysierungen ähnelt, der könnte hier ein neues Lieblingsbuch gefunden haben. Weiners neutrale und ungeschönte Sicht auf die Dinge geht unter die Haut.
Wer jedoch wie ich eher auf Romane mit wörtlicher Rede und Emotionen steht, der wird an diesem Buch wohl keine Freude finden. 


Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Mit Psychologie kann man mich grundsätzlich immer ganz gut ködern :D

    Hast du "Geständnisse" gelesen? Das war für mich das erste Buch, das komplett ohne wörtlich Rede auskommt. War am Anfang erst einmal gewöhnungsbedürftig und ich würde keinesfalls jedes Buch so haben wollen, aber mal als Abwechslung echt ganz cool.
    Von Alles über Heather hatte ich noch gar nichts gehört, aber es klingt ziemlich besonders und ich werde es auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten!

    Liebe Grüße
    Hannah

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    1. Liebe Hannah,

      nein das habe ich nicht, aber ich werde es mir gleich mal näher anschauen. Ich finde es immer mal ganz gut, wenn ein Buch anders aufgezogen wird, aber dann muss für mich der Rest auch passen.

      Mach das. Das hier ist auf alle Fälle so ein Buch, dass man entweder total mag oder eben gar nicht.

      Alles Liebe
      Sophie

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  2. Huhu!

    Ich hab bisher erst eine Rezi zu diesem Buch gelesen - und da war die Rezi-Schreiberin total begeistert. Das klingt also ganz nach einem Buch, was wieder einmal stark polarisieren wird :D. Ich bin gespannt, was unsere Buchhandlung da draus machen wird, solche Bücher bewerben sie dann besonders gern recht auffällig, kommt mir vor. Egal ob mit Kundenstopper oder einem eigenen Schaufenster, sie haben ein Händchen dafür, immer solche Bücher vorzustellen. Finde ich aber gut, da weiß man gleich, dass man das diskutierte Buch auch vor Ort zu kaufen kriegt :D.

    Liebe Grüße
    Luna

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    1. Liebe Luna,
      ja das habe ich auch sofort gemerkt. Das Buch hier wird für manche der heilige Gral werden, für andere der größte Schwachsinn.

      Oh das klingt toll. So eine Aufmache schaut immer sehr schön aus, wobei ich eher immer einen Bogen um solche Hype-Bücher machen.

      Alles Liebe
      Sophie

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Hallo.
Ich freue mich immer wie Bolle wenn ich Kommentare bekomme, also gebt euch 'nen Ruck und kommentiert.
Alles Liebe, Sophie